Die Luftfahrtgesellschaften vermeiden weiterhin gerichtliche Entscheidungen wg. Flugverspätung

Es bleibt weiter zu beobachten, dass die Luftfahrtgesellschaften weitere Urteile wegen Ansprüchen aus Flugverspätung nach der EU-VO 261/2004 vermeiden wollen. Allerdings muss der Fluggast weiterhin oft ein Gericht bemühen. Hier geben wahrscheinlich viele Fluggäste, die nicht anwaltlich vertreten werden, auf. Gerade, wenn es darum geht, in einem anderen Mitgliedsstaat der EU zu klagen, setzen die Luftfahrtgesellschaften darauf, dass die Fluggäste ihren Anspruch fallen lassen.

So hat die Kanzlei Gröndahl drei Österreichische Staatsbürger vertreten wegen Ansprüchen aus der EU-VO 261/2004 (Fluggastrechte-VO) aufgrund einer enormen Verspätung beim Flug von Venedig nach Wien im Winter 2012.

Die österreichische Fluggesellschaft verwies auf das schlechte Wetter, das den Abflug verhindert hätte. Richtig daran war, dass tatsächlich schlechtes Wetter herrschte, allerdings nicht am Abflugort der von mir vertretenen Passagiere, sondern an dem Flughafen, von dem aus das Flugzeug starten musste, um nach Venedig zu gelangen, um von dort die Fluggäste nach Wien zu bringen.

Damit sind zwei Themenkreise angesprochen:
1. ist ein Umstand überhaupt relevant, wenn er nicht den streitgegenständlichen Flug betrifft, sondern den “Vorflug”? Weiterhin wäre dann zu fragen, ob der vorgetragene Umstand überhaupt einen Befreiungsgrund von der Zahlung der Ausgleichsleistungen nach Art. 5 Abs. 3 EU-VO 261/2004 darstellt.
2. welche Maßnahmen muss eine Luftfahrtgesellschaft dann treffen, um die Verspätung gering zu halten bzw. einen Abflug noch zu ermöglichen?

Hier lag schon kein entschuldigender Umstand vor, da im fraglichen Zeitraum nur sechs von 47 Flügen nicht durchgeführt werden konnten. Warum welche Flüge nicht durchgeführt wurden, war zumindest auch eine unternehmerische Entscheidung der Airline und damit kein solcher außergewöhnlicher Umstand, der nicht hätte vermieden werden können.

Weiterhin konnte die Airline überhaupt nichts dazu vortragen, warum kein Ersatzflugzeug bereitgestellt werden konnte oder weitere andere Maßnahmen getroffen wurden.

Und wie es dann kommen musste, wurde der gesamte Anspruch eine Woche vor der mündlichen Verhandlung anerkannt! Schön für die Fluggäste. Und dann im Ganzen doch teurer für die Airline, als wenn der Anspruch irgendwann außergerichtlich geleistet worden wäre. Aber insgesamt rechnet es sich wohl immer noch, da längst nicht alle Anspruchsinhaber ihren Anspruch durchsetzen.

Rechtsanwalt Gröndahl berät und vertritt bundesweit und innerhalb der EU bei der Durchsetzung von Fluggastrechten bei Verspätung und Annullierung nach der EU-VO 261/2004. bitte rufen Sie an: 030-4468 440